Glasgravieren
Glasgravieren, auch Glasritzen genannt, ist mit eines der ältesten kunsthandwerklichen Tätigkeiten, die bis Ende des 18. Jahrhunderts in Holland und in der Schweiz er- folgreich praktiziert wurden.
Graviert wird mit microfeinen, auf dünnen Metallstiften aufgesinterten Diamanten. Damit werden feine Punkte, gerade, gebogene oder kreisförmige Konturenlinien in die Glasfläche graviert. Die dabei entstandenen Linien sind weiss und kontrastieren sich dadurch gegenüber dem transparenten Glas. Durch das parallele Nebeneinandersetzen mehrerer Linien entsteht ein breiter Strich, eine bandförmige Schleife, ein Bildfeld bzw. beliebige Kontur, z. B. eine Kugel, Kreis etc.
Die Glasgravur basiert auf zwei Gestaltungs- merkmalen: Dunkel und hell. Die hellen Flächen entstehen durch das Nacharbeiten der gravier- ten Gravurflächen mit den unterschiedlich ge- formten Glasfeilen (mit feinem Korund belegten Schleifstiften) und bilden den Kontrast zu der ungravierten Glasfläche, die "dunkel" bleibt.
Für diese anspruchsvolle Gestaltungstechnik steht ein Repertoire kleiner Spezialwerkzeuge zur Auswahl: Diamantstifte mit unterschiedlich geformten Gravurköpfen (rund, konisch, flammförmig). Fast die gleiche Formgebung haben die Korundfeilen. Die Schäfte der Werkzeuge haben alle den gleichen Durchmesser und passen in die dafür angebotenen Gravurstifthalter oder elektrischen Gravurgeräte.
Während die Gravuren am Anfang manuell mit den in den Gravurstifthalter eingesteckten Werkzeugen gemacht werden, folgt danach das Arbeiten mit dem elektrischen Gravurgerät, was nicht nur schneller geht sondern auch raffiniertere Effekte ermöglicht und deshalb als das "professionelle" Glasgravieren bezeichnet wird.
Neben den erwähnten Werkzeugen stehen Gravurvorlagen, ein Anleitungs- buch und besonders leicht gravierfähige Bleikristallgläser zur Auswahl.